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Chartbreaker
Massive Töne, 1999


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Chartbreaker

Sie hat ihre Sachen gepackt, denn sie hat eins satt: die Kleinstadt. Ab in die große, wo was los ist. Sie singt und will nach oben; bis es soweit ist, verkauft sie bei H&M Hosen, lernt neue Leute kennen, neue Moden. Da erzählen Kollegen, dass Produzenten in der Stadt sind, fürn Casting -- so ’n krasses Ding, das Cash und Spaß bringt, und sie kommen in Massen, gaffen aber nicht anfassen. Die Mädchen hassen sich und lachen, machen sich zum Affen. “Darf ich dich was fragen? Träumst du an manchen Tagen von großen Shows, ausverkauftem Haus und tosendem Applaus? Pass auf, ich bring dich groß raus.” Sie heult und freut sich. “Ja, du bist mein Gesicht 99, denn nicht jedes Mädchen kann sich so edel bewegen, und hat ’ne Mähne wie Schweden. Du musst nur tanzen, wenig reden, aber nicht singen. Man kommt bloss weiter mit Ghostsinger und Ghostwriter. Ist alles soweit klar? Dann unterschreib’ da.”
 
War’s Pech, war’s Glück, oder Verarschung am Stück? Sie hat jeden gefickt, einmal Star und zurück.
 
Die Musik ist beschissen, der Produzent gerissen; ist ein Boss im Business, hat Kenntnisse und Wissen. Listen, die Rapparts macht dein Partner ’n Schwarzer, auch wenn’s idiotisch klingt. Hauptsache die Quote stimmt: sie Vanille, er Schoko. Wackeln mit dem Popo im beknackten Video; machen halbnackt auf Gogo. Die Pressephotos sehen wie Szenen im Penthouse und nicht intelligent aus. Dann ist sie bei fast allen TV-Shows Gast, sagt in Talks bloss das, was dem großen Boss passt. Video- und Radioversion laufen bei allen Stationen auf starker Rotation. Die Leute warten schon, die Firma wirft die Platte auf den Mediamarkt, und jeder steht in meterlangen Schlangen für den Tonträger. Und einen Tag später ist ihr Song die neue Number One: der Chartbreaker.
 
War’s Pech, war’s Glück, oder Verarschung am Stück? Sie hat jeden gefickt, einmal Star und zurück.
 
Die zweite Scheibe scheitert. Die Kleine wird gefeuert, weil man für Experimente keine Zeit hat: leider zu teuer. Das Team macht weiter wie seither mit Neuer, und sie ist pleite - na ja beinah’: ihr bleiben ein paar Mark, die sie gespart hat, bei beschissenen Auftritten in deutschen Großraumdissen. Der Traum ist wie ’ne Seifenblase geplatzt. Sie ist verlassen, gedroppt, und sucht ’nen neuen Kassenjob, am besten dort, wo die Kleider hingen. “Ich würd’ gern weiterhin bei Ihnen arbeiten,” fragt sie die Abteilungsleiterin. Sie sei jetzt reicher an Erfahrung, kam brutal ’rum, kennt jede Kleinstadt samt Solarium, war bei the Dome, Bravo TV, Interaktiv, und Chart Attack. OK, erst wird die Ware gecheckt und dann ins Lager geschleppt. Alright, OK, alright OK.
 
War’s Pech, war’s Glück, oder Verarschung am Stück? Sie hat jeden gefickt, einmal Star und zurück.
 
Manche machen’s geschickt, machen Millionen mit shit!


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