Lesestück: »Opa happy machen«

Einstiegsfragen. Antworten Sie auf die Fragen mit einigen deutschen Sätzen (7+ Wörter pro Antwort).
1. Denken Sie an Ihre Familie. Sind Ihre Großeltern noch am Leben? Wenn ja, wohnen sie mit Ihnen im selben Haus, oder wohnen sie allein oder in einem Heim?




2. Was machen Ihre Großeltern während des Tages? (Wenn Ihre Großeltern schon gestorben sind, denken Sie an andere ältere Leute, die Sie kennen.) Glauben Sie, daß Ihre Großeltern glücklich sind?




3. Verstehen Sie sich gut mit älteren Leuten? Zum Beispiel: können Sie mit älteren Leuten gut reden? Haben Sie gemeinsame Interessen? Spüren Sie die Generationslücke (=generation gap), oder ist das nicht so wichtig?




4. Wortschatz: verwandte Wörter. Hier sind einige deutsche Wörter, die verwandt sind. Schlagen Sie diese Wörter in Ihrem Wörterbuch nach, und schreiben Sie die englischen Äquivalente.
1. der Rat = _____________________ratsam = _____________________ratlos = _____________________
2. wissen = _____________________bewußt = _____________________das Bewußtsein = _____________________
3. das Leid = _____________________leiden = _____________________beleidigen = _____________________
5. Umgangssprache. Manche deutschen Wörter werden häufig in der Alltagssprache benutzt, aber sie stehen nicht in jedem Wörterbuch. Unten ist eine Liste von solchen Wörtern, die in unserer Geschichte vorkommen.
 murmeln = to murmur, mumble, mutterschluchzen = to sob, sniffle
 schmollen = to pout, sulkSchafskopf = a German card game
 gammeln = loaf, lie around being lazyanschickern = to get slightly drunk, tipsy



Lesen. The following article, which was taken from the Frankfurter Rundschau, a widely read daily newspaper, is a satire. Satire exaggerates human failings and thus accentuates the negative aspects. At the same time, satire has a comic effect and in some ways resembles ironic styles. By exposing human stupidity, satire seeks to better a situation and calls the reader to make a judgment. As you read this text, think about what judgments you would make, and how the situation is exaggerated for satirical effect.



»Opa happy machen«
von Bernd Katsch

Offen gesagt: Wir hatten Opa vollkommen vergessen. Das letztemal hatten wir ihn bei seinem 85. Geburtstag gesehen. Das war vor drei Jahren. Da war er aus dem Hinterzimmer, in dem er mit seinen Kaninchen lebt, herausgekommen, um sich feiern zu lassen.

Aber nicht genug damit: Nach dem Essen mußten wir mit ihm Schafskopf spielen. Als er dann -- von einem Gläschen Kräuterlikör angeschickert -- Geschichten aus seiner Jugend erzählte, sagte meine Frau leise zu mir: »Es ist schon eine Last mit alten Leuten.«

Opa, ansonsten taub auf beiden Ohren, zog sich beleidigt in sein Zimmer zurück und schloß sich dort ein. Das hatten wir nun von unserer Freundlichkeit. »Soll er schmollen, bis er hundert wird«, meinte meine Frau. Opa schwand aus unserem Bewußtsein.

Neulich sahen wir dann eine Fernsehsendung über »Die Rolle des alten Menschen in unserer Gesellschaft«. Alte Leute wurden gezeigt und interviewt. Sie warteten -- von allen gemieden, ohne Beschäftigung -- nur noch auf den Tod. Meine Frau konnte die Pralinen nur noch unter Schluchzen in den Mund schieben. Ich murmelte: »Ja, soll das denn wahr sein? Gibt’s so was denn überhaupt?« Fast hatten wir uns schon wieder beruhigt, da kam uns Opa in den Sinn. »Himmel«, rief meine Frau, »ob er wohl noch lebt?« Wir faßten uns ein Herz und öffneten die Tür zu Opas Zimmer. Ei, da saß er ja -- aufrecht im Sessel, einen Kohlstrunk in den Händen.

»Opa«, riefen wir, »sei fröhlich. Wir sehen dich jetzt mit ganz anderen Augen. Du darfst jetzt wieder mit uns am Tisch essen und im Wohnzimmer Pfeifchen rauchen.« Opa antwortete nicht. Er redete nur noch mit seinen Kaninchen. Wir waren ziemlich ratlos.

Dann aber erinnerten wir uns an die Stelle der Fernsehsendung, in der ein Professor gesagt hatte: »Ein wichtiger Faktor für die Rückgliederung alter Menschen in die Gesellschaft ist eine sinnvolle Beschäftigung.« Wir drückten Opa den Staubsauger in die Hand und stellten einen Dienstplan auf: Montags bringt Opa Flaschen weg. Dienstags: Gartenarbeit. Mittwochs darf er unseren Wagen waschen. Donnerstags: Teppich klopfen, Wäsche aufhängen. Freitags: Fenster putzen, Treppenhaus reinigen. An Wochenenden kann er gammeln, bis er vor Langeweile von sich aus Staub wischt und die Schuhe putzt. Wenn Opa nun nicht happy ist, können wir ihm auch nicht helfen. Dann liegt es eben an seinem Charakter.


Nach dem Lesen.

A. Steht das im Text? Was ist richtig, was ist falsch?

______  1. Der Opa wohnt mit im Haus, aber meistens ist er allein mit seinen Kaninchen.
______  2. Die Frau freut sich, wenn Opa Geschichten aus seiner Jugend erzählt.
______  3. Der Opa wird von den Verwandten in ein Heim für alte Leute gebracht.
______  4. Die Verwandten sehen eine Fernsehsendung und wollen sich daraufhin mehr um den Opa kümmern.
______  5. Der Opa sieht eine Fernsehsendung über alte Menschen und beschließt, sein Leben zu ändern.
______  6. Als im Fernsehen gezeigt wird, wie einsame, alte Menschen auf den Tod warten, fängt die Frau an zu schluchzen.
______  7. Die Verwandten suchen für den Opa eine sinnvolle Beschäftigung.
______  8. Opa muß jeden Tag eine andere Arbeit erledigen. Damit er nichts vergißt, hat er einen Dienstplan.


B. Neue Wörter im Kontext. Was bedeuten die folgenden Wörter und Ausdrücke?
1.  »Von einem Gläschen Kräuterlikör angeschickert, erzählte Opa Geschichten aus seiner Jugend.«
a. When Grandpa was slightly drunk ...
b.  After he had had his coffee ...
c.  After he had fed his rabbits ...

2.  »Opa, ansonsten taub auf beiden Ohren, zog sich beleidigt in sein Zimmer zurück und schloß sich dort ein. Das hatten wir nun von unserer Freundlichkeit.«
a.  Grandpa went to his room because he was tired.
b.  Grandpa closed the curtains in his room.
c.  Grandpa went to his room because his feelings were hurt.

3.  »Opa schwand aus unserem Bewußtsein.«
a.  We thought about Grandpa every day.
b.  We never thought about Grandpa again.
c.  Grandpa moved out of the house.

4.  »Wir faßten uns ein Herz und öffneten die Tür zu Opas Zimmer.«
a.  We took Grandpa something nice to eat.
b.  We put our hands on our hearts.
c.  We gathered our courage.

5.  »Opa redete nur noch mit seinen Kaninchen. Wir waren ziemlich ratlos.«
a.  we didn’t know what to do
b.  we thought Grandpa was being rude
c. we asked Grandpa what to do


C. Fragen zur Verständnis. Please answer the questions in English and write 2-3 sentences per response.
1. Describe what happened at the birthday party. Why did Opa go to his room?




2. What was the TV show about?



3. How did the narrator’s wife react to the TV show?




4. What solution did the family come up with? Describe (in some detail) what Opa has to do.






D. Überlegungen. Schreiben Sie 5-10 Sätze auf deutsch. Wie behandeln Sie alte Leute? Wie behandelt Ihre Familie alte Leute? Machen Sie eine Liste: Was tun Sie? Was tun Sie nicht? Was soll man tun / nicht tun? Haben alte Leute in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle oder nicht? Wenn Ihre Eltern alt sind, werden Sie sie bei sich zu Hause wohnen lassen, oder werden Sie sie ins Altersheim schicken?